Einflussfaktoren

Die Faktoren bei der Entstehung sind zumeist mehrdimensional und können aus dem beruflichen wie auch aus dem privaten Lebensbereich so zusammenwirken, dass das innere System von Körper und Psyche dauerhaft auf ALARM eingestellt sind. 

Die Persönlichkeit

Häufig gibt erst die professionelle Betrachtung der individuellen Persönlichkeit darüber Aufschluss, warum ähnliche Anforderungen bei der einen Person zur Überlastung führt und bei anderen nicht. Zur Persönlichkeit werden nicht nur Verhaltensweisen, sondern auch Wertvorstellungen und Einstellungen oder sogenannte Glaubenssätze gezählt. Diese sind im Unterschied zu Verhaltensweisen nicht unmittelbar zu beobachten und oft auch dem Einzelnen nicht bewusst, sondern sie sind zu diagnostischen und therapeutischen Zwecken durch psychologische Gespräche gemeinsam herauszuarbeiten. 

 Beispiel einer Einstellung bzw.
eines Glaubenssatzes, welches die Beziehungen zu anderen Menschen steuert:

"Politik ist Männersache!"
Schlagfertige Antwort:
"Mit Selbstbeschuldigungen kommen wir auch nicht weiter!"
Bestimmte Lebens-Einstellungen sind dazu geeignet, den "hausgemachten Stress" auf die Eskalationsschiene in Richtung Burnout zu betreiben. Dazu gehört typischerweise "generell sehr hohe Anforderungen an sich selbst und andere zu stellen". Perfektionisten sind daher potentiell eine gefährdete Gruppe, aber auch Menschen mit negativem Selbstwert neigen dazu, sich selbst zu überfordern.

Leistung und hohe Leistungsansprüche sind natürlich ein zentrales Thema beim Burnout-Syndrom, aber es können auch dauerhafte Überlastungen im privaten Bereich im Vordergrund stehen, z.B bei Paarbeziehungen oder in Familien. In individuellen, Paar- oder Gruppentherapien werden solche konflikterzeugenden Glaubenssätze an sich selbst oder Erwartungen an den Partner aufgegriffen und bearbeitet.

In den inneren Dialogen mit sich selbst (Selbstdialoge) treten diese zumeist unbewusst wirkenden "hausgemachten Stressoren" in Aktion;

Beispiele von derartigen Selbstdialogen:

Das passiert immer nur mir - Das schaffst du nie - Das muss ich um jeden Preis schaffen - Das muss Man(n) alleine schaffen - Was mich nicht umbringt, macht mich noch härter - Wenn ich nicht alles selbst mache - Ich muss es allen recht machen - Ich darf mir keine Fehler/Unsicherheiten erlauben - Wer schreit hat Unrecht - Du darfst Dich nicht hängen lassen.

Die häufigsten individuellen Risikopotenziale

  • Überhöhte Leistungsansprüche an sich selbst und an andere
  • Überhöhtes Streben nach Anerkennung und Status
  • Perfektionismus und detailverliebte Vorstellungen
  • Einzelkämpfer - Orientierung
  • Umgang mit Emotionen und insbesondere der Umgang mit Ärger

Die "hausgemachten Stressoren"

Sie wirken auf der individuellen Ebene der Persönlichkeit und sind dennoch auch mit der unmittelbaren Umwelt verbunden und in interaktivem Austausch. Sie zeigen auf die erforderliche Verantwortungsfähigkeit der erwachsenen Person, aber auch auf die unmittelbaren realisierbaren Ansätze zur Veränderung; es spiegelt die Freiheitsgrade des Individuums sich in einem sozialen und gesellschaftlichen Umfeld zu positionieren. 

Work-Life-Balance

Dass es nicht gerade einfach ist, diese Position in einer von den Anforderungen einer  Hochleistungskultur geprägten Berufswelt zu finden zwischen Beruf, Karriere und Familie und weiterhin auch noch den individuellen persönlichen Bedürfnissen gerecht zu werden - ist eine Binsenweisheit - dennoch besteht für viele in dieser Frage der Lebensbalance oder "work-life-balance" ein wesentlicher Ansatz zur Reduzierung von Überlastung oder Heilung eines bereits vorhandenen Burnout-Syndroms.
 

Neben der individuellen Ebene der Betrachtung von Burnout gibt es natürlich auch die übergreifende Ebene der Gesellschaft, soziologische Einflussfaktoren und damit auch die Rahmenbedingungen der Gesundheits- oder zutreffender der Krankheitspolitik.