Die gesellschaftliche Dimension von Burnout

Da Burnout beinahe wie ein Virus um sich greift oder um es in der Terminologie der Börse auszudrücken, ein überaus starkes Wachstum erfährt, ist auch die übergreifende Ebene der Gesellschaft zu betrachten.

AOK Studie 2011

Nahezu jeder zehnte Fehltag auf der Arbeit wird heute mit einer psychischen Erkrankung begründet, dies zeigt eine Auswertung des Wissenschaftlichen Instituts der Allgemeinen Ortskrankenkassen (WidO). Insbesondere die Zahl derer, die am Erschöpfungssyndrom Burnout leiden, nimmt stetig zu. Viele sind erschöpft, ausgebrannt und arbeitsunfähig.

Noch im Jahr 2004 lag die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage von 1.000 AOK-Versicherten wegen des Burnout-Syndroms bei 8,1 Tagen, sechs Jahre später im Jahr 2010 sind es bereits 72,3 Tage. 

 

Auch wenn diese Statistik der AOK nicht kurz vor acht neben den Börsennachrichten erscheint, so stehen sie doch in engem Zusammenhang mit unserem wirtschaftlich hoch motivierten Streben in einer globalisierten Welt.

In diesen Zahlen spiegelt sich klar ein Wachstum der generellen Überforderung wider, die unsere Gesellschaft an den Einzelnen und an die Familien richtet.

Gesellschaftliche MEGA-Faktoren an der Entstehung und Wachstum von Burnout

  • Positionierung im Wettbewerb einer globalisierten Welt
  • Tendenzen zur Sozialisierung von Folgekosten des Wettbewerbs und Individualisierung von Gewinnen (Neo-Liberalismus)
  • Dominanz der globalen Finanzmärkte über die Realwirtschaft
  • Werteverfall und Anstieg einer EGO-materialistischen Orientierung (Habgier)
  • Anstieg von Selbstprofilierung - weniger Gemeinsinn
  • Personalabbau und Überlebenskampf in den Unternehmen
  • Schnelllebigkeit und Veränderungstempo
  • Krankheitssystem anstatt eines auch präventiv orientierten Gesundheitssystems - Dominanz der Apparate-Medizin und pharmaindustriellen Lobbypolitik


 Die Anforderungen einer  Hochleistungskultur veranlassen so manchen, darüber nachzudenken, sich rechtzeitig in Sicherheit zu bringen
Karikaturist Roger Schmidt


Die gesellschaftskritische Visionskraft von "Moderne Zeiten"(Charlie Chaplin)

In diesem nachfolgenden Video wird in dem "Alten Klassiker" von Charlie Chaplin bereits zu Stummfilmzeiten der "Tayloristischen Industrialisierung" demonstriert, wie "Moderne Zeiten" den Menschen in einem erbarmungslos funktionierenden Räderwerk einspannt und beeinflusst. Das geniale Kunstwerk in Schwarz/Weiß ist nicht allein wegen seiner nonverbalen Darstellungskunst weltweit berühmt, sondern zeigt auch die gesellschaftskritische Visionskraft Charlie Chaplins, wie er die Moderne Welt voraussah.